Abfertigung Alt & Abfertigung Neu

Das Thema Abfertigung wirft für Arbeitnehmer nach wie vor zahlreiche Fragen auf: Worin bestehen die Unterschiede zwischen Abfertigung Alt und Abfertigung Neu? Hab ich Anspruch auf Abfertigung – und wann? ­Hier finden Sie die Antworten!

26.01.2015 | Arbeitsrecht

Was ist eine Abfertigung?

Eine „Abfertigung“ diente ursprünglich dazu, Dienstnehmer für die Zeit nach Verlust der Arbeit finanziell abzusichern, damit sie sich ihr Leben (und das ihrer Angehörigen) für die Zeit der Arbeitsuche leisten können, obwohl die laufenden Bezüge weggefallen sind. Mit Übergangsregeln wurde ab 1.1.2003 ein neues Abfertigungsrecht in Österreich etabliert, das seit 1.1.2008 auch für Selbständige und freie Dienstnehmer gilt – die sogenannte Abfertigung Neu.

Die Abfertigung Alt und Abfertigung Neu

Bei der Abfertigung Alt hatte der Arbeitnehmer nur dann einen Anspruch auf Abfertigung, wenn er mindestens drei Jahre durchgehend bei demselben Unternehmen beschäftigt war. Der Anspruch bestand aber nur, wenn das Arbeitsverhältnis durch Arbeitgeberkündigung oder einvernehmlich beendet wurde. Er bestand nicht, wenn der Arbeitnehmer etwa selbst kündigte.

Das hat sich geändert mit der Abfertigung Neu. Wer seit 1. Jänner 2003 in ein neues Dienstverhältnis eingetreten ist, hat Anspruch auf die Abfertigung Neu und seit 1.1.2008 gilt diese Art der Abfertigung auch für Selbständige und freie Dienstnehmer.

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Was ist „neu“ an der Abfertigung?

Bei der Abfertigung Neu muss man nicht mehr drei Jahre durchgehend bei demselben Arbeitgeber beschäftigt gewesen seien, sondern der Anspruch entsteht bereits ab dem zweiten Monat der Beschäftigung. Außerdem können Abfertigungsansprüche auch bei Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber „mitgenommen“ werden – sie verfallen nicht.

Im Gegensatz zur Abfertigung Alt geht der Abfertigungsanspruch auch nicht bei Selbstkündigung verloren. Unter dem neuen Abfertigungsregime haben auch Lehrlinge und Personen, die in Bildungskarenz sind, Anspruch auf Abfertigung. Unter bestimmten Voraussetzungen werden auch Zeiten des Zivil- oder Präsenzdienstes, sowie Zeiten, in denen Kinderbetreuungsgeld bezogen wird, berücksichtigt. Auch Zeiten, in denen Sterbebegleitung geleistet wird, sowie Krankenstand und Zeiten des Mutterschutzes werden berücksichtigt.

Wie wird die Abfertigung Neu abgewickelt?

Die Abfertigung „neu“ wird über sogenannte Betriebliche Vorsorgekassen (Abfertigungskassen) abgewickelt. Ab dem zweiten Monat des Arbeitsverhältnisses muss der Arbeitgeber zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen 1,53% des Bruttomonatsgehaltes an die Krankenkasse abführen. Auch vom 13. und 14. Gehalt sind diese Beträge abzuführen. Die Krankenkasse prüft dann die Höhe der Abfertigungsvorsorge und überweist den Betrag weiter an die betreffende Vorsorgekasse.

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Die Bemessungsgrundlage und Höhe des Abfertigungsbeitrags müssen auf dem Lohnzettel angeführt werden, so kann auch der Arbeitnehmer die Höhe kontrollieren. Außerdem müssen die Vorsorgekassen den Arbeitnehmer 1x jährlich über die Höhe des bestehenden Guthabens und darüber informieren, wie die Beiträge veranlagt werden.

Wann steht die Abfertigung Neu zu – Auszahlung und Weiterveranlagung

Wird das Arbeitsverhältnis beendet, hat man grundsätzlich einen Anspruch auf die Abfertigung. Ausgezahlt werden kann der Betrag aber erst, wenn drei Jahre in die Abfertigung Neu eingezahlt wurde (außer bei Selbstkündigung! – dann besteht kein Auszahlungsanspruch).

Ist diese Einzahlungsdauer noch nicht erreicht, kann man den Betrag an andere Kassen/Vorsorgen überweisen lassen oder bei der bestehenden Vorsorgekasse weiterveranlagen lassen. Jedenfalls muss man binnen 6 Monaten nach Beendigung des Dienstverhältnisses schriftlich der Vorsorgekasse bekanntgeben, was mit dem Betrag geschehen soll, sonst wird er automatisch weiter bei dieser Vorsorgekasse weiterveranlagt.

Auszahlungsanspruch der Abfertigung

Ein Auszahlungsanspruch der Abfertigung besteht nach 3 Jahren Einzahlung in folgenden Fällen:

  • man wurde vom Arbeitgeber gekündigt oder unverschuldet entlassen,

  • das Arbeitsverhältnis wurde einvernehmlich aufgelöst,

  • bei berechtigtem Austritt,

  • das befristete Arbeitsverhältnis ist abgelaufen,

  • Austritt erfolgte aufgrund einer Mutterschaft.

 Im Falle der Selbstkündigung kann man sich auch nach 3 Jahren Einzahlung den Betrag nicht auszahlen lassen!

Zu beachten ist, dass die Auszahlung immer gegenüber der Vorsorgekasse geltendgemacht werden muss – sie erfolgt nicht automatisch!

Weiterveranlagung

Entscheidet man sich für die Weiterveranlagung kann man zwischen folgenden Varianten wählen: Hat man schon einen neuen Arbeitgeber, dann kann man das Guthaben an die Vorsorgekasse des neuen Arbeitgebers überweisen lassen. Auch eine Übertragung an die bestehende Pensionskasse des Arbeitnehmers oder eine Zusatzpensionsversicherung ist möglich. Ebenso die Überweisung in eine Zusatzpensionsversicherung. Aber man kann auch die Weiterveranlagung in der bestehenden Vorsorgekasse wählen (was automatisch erfolgt, wenn man sich nicht binnen 6 Monaten nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses schriftlich äußert).

Wie hoch ist die Abfertigung?

Die schlechte Nachricht: Einbezahlte Beträge werden nur abzüglich der Verwaltungskosten der Vorsorgekassen gesetzlich garantiert zurückbezahlt. Diese Verwaltungskosten können zwischen 1 und 3,5 Prozent der Beiträge ausmachen (hängt von der Vorsorgekasse ab) und schmälern die Auszahlung.

Die noch schlechtere Nachricht: Der Abfertigungsbetrag wird mit 6 Prozent Lohnsteuer besteuert.

Die hoffnungsvolle Nachricht: Veranlagen die Vorsorgekassen erfolgreich und erwirtschaften sie Zinserträge, dann kann es durchaus seien, dass man mehr herausbekommt, als einbezahlt wurde.  

Die Abfertigung ist also so hoch wie die Einzahlungen minus Verwaltungskosten und Steuer plus Gewinne der Veranlagung.

Wenn Sie Fragen zur Situation im Einzelfall bzw. zur Abfertigung Neu & Alt haben, ist es anzuraten einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht bzw. Sozialrecht zu konsultieren.

 

Bild: ©Shutterstock

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