Haltung von Kampfhunden: Wann ist der Hundeführerschein verpflichtend?
Was die Haltung von Listenhunden bzw. „Kampfhunden“ in Österreich betrifft, so hat jedes Bundesland seine eigenen Regelungen. In Wien als einzigem Bundesland muss sogar ein Hundeführerschein absolviert werden.
Die Haltung von Hunden ist in Österreich nicht einheitlich geregelt. Dies gilt insbesondere für sogenannte Listenhunde bzw. „Kampfhunde“, denen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial zugeschrieben wird. Vielmehr bestehen für jedes Bundesland unterschiedliche Regelungen. In Tirol, Burgenland und Kärnten muss die Haltung eines Kampfhundes den Behörden nicht angezeigt werden und es bestehen auch sonst keinerlei Voraussetzungen. In Salzburg, der Steiermark und Oberösterreich müssen Hundehalter ihre Kenntnis gegenüber den Behörden nachweisen. Dies gilt für alle Hunderassen, nicht nur für Listenhunde.
In Wien, Niederösterreich und Vorarlberg muss dagegen die Haltung von gefährlichen Hunderassen den Behörden angezeigt und bewilligt werden. In Wien besteht eine Hundeführerscheinpflicht.
Welche Hunde gelten als Listenhunde?
Welche Hunde in Österreich als Listenhunde gelten, ist wiederum von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Während die meisten Bundesländer keine bestimmten Hunderassen als Listenhunde einstufen, haben Vorarlberg, Niederösterreich und Wien genaue Angaben dazu. Diese Tabelle zeigt Ihnen, welche Hunde die Bundesländer als Listenhunde bzw. Kampfhunde einstufen:
Bundesland
Listenhunde
Vorarlberg
Bullterrier
Staffordshire Bullterrier
American Staffordshire Terrier
Mastino Napoletano
Mastin Espanol
Fila Brasileiro
Argentinischer Mastiff
Mastiff
Bullmastiff
Tosa Inu
Bordeaux Dogge
Dogo Argentino
Ridgeback
Kreuzungen Bandog (“Kettenhunde”) und Pitbullterrier
Hunde aus Kreuzungen der genannten Rassen und Kreuzungen
Niederösterreich
Bullterrier
Staffordshire Bullterrier
American Staffordshire Terrier
Dogo Argentino
Pitbull
Bandog
Rottweiler
Tosa Inu
Wien
Bullterrier
Staffordshire Bullterrier
American Staffordshire Terrier
Mastino Napoletano
Mastin Espanol
Fila Brasileiro
Mastiff
Bullmastiff
Tosa Inu
Pit Bull Terrier
Rottweiler
Dogo Argentino (Argentinischer Mastiff)
Regelungen zur Hundehaltung in den einzelnen Bundesländern
Bundesland
Regelung
Burgenland
Keine besonderen Auflagen nach Hunderasse
Einzelauflagen zu Leinen- bzw. Maulkorbpflicht durch die Gemeinden möglich
Tirol
Keine besonderen Auflagen nach Hunderasse
Wird jemand durch einen Hund verletzt, kann ein Tierarzt ihn als „auffällig“ beurteilen. Die Behörde wird dann Maulkorb- und/oder Leinenzwang über den Hund verhängen.
Gewissen Personen kann das Halten eines „auffälligen“ Hundes untersagt werden, z.B. wenn diese alkohol- oder suchtkrank sind, die Leinen- oder Maulkorbpflicht missachten oder eine Straftat begangen haben
Einzelauflagen zu Leinen- bzw. Maulkorbpflicht durch die Gemeinden sind möglich
Verpflichtende Anmeldung des Hundes – egal welcher Rasse – ab einem Alter von zwölf Wochen. Dabei wird der Hund in das oberösterreichische Hunderegister bei der Hauptwohnsitzgemeinde eingetragen. Im Rahmen der Anmeldung des Hundes muss ein dreistündiger Kurs zum Nachweis der Sachkunde absolviert werden. Der Hund wird außerdem mittels Mikrochip gekennzeichnet und die Chipnummer wird bei der Heimtierdatenbank des Bundes registriert. Danach erfolgt die Entrichtung einer jährlich anfallenden Hundeabgabe bei der Hauptwohnsitzgemeinde.
Auf der Website des Landes Oberösterreich finden Sie alle Informationen zu den Hundehalte-Sachkursen in Ihrer Nähe.
Die Gemeinden können weitere Vorschriften bezüglich Maulkorb- oder Leinenpflicht selbst erlassen
Wurde ein Hund – egal welcher Rasse – nach dem. 1. Jänner 2013 erworben, ist ein Hundekundenachweis erforderlich. Dafür muss innerhalb eines Jahres ab der Anschaffung des Hundes ein vierstündiger Kurs absolviert werden. Der Hundekundenachweis wird vom Amtstierarzt ausgestellt.
An öffentlichen Orten müssen Hunde einen Maulkorb tragen oder so an der Leine geführt werden, dass sie jederzeit zurückgehalten werden können
In öffentlichen Parkanlagen herrscht Leinenpflicht, außer auf als Hundewiesen ausgewiesenen und eingezäunten Flächen
Die Gemeinden haben meist eigene, weiterführende Regelungen bezüglich der Hundehaltung
Meldepflicht für alle Hunde ab zwölf Wochen bei der Hauptwohnsitzgemeinde
Erbringung eines Sachkundenachweises sowie einen Nachweis darüber, dass der Hund über eine Mindestdeckungssumme von 725.000 Euro haftpflichtversichert ist
Ein Hund egal welcher Rasse kann von der Gemeinde als „gefährlich“ eingestuft werden. Ein solcher Hund darf nur gehalten werden, wenn dies von der Gemeinde bewilligt wird. Diese Bewilligung muss beim Führen des Hundes immer mitgeführt werden.
Die jeweiligen Gemeinden können eigene Verordnungen bezüglich Maulkorb- und Leinenpflicht erlassen
An diesen Orten müssen Listenhunde immer einen Maulkorb tragen und an der Leine geführt werden: an allen öffentlichen Orten im Ortsbereich, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, auf Spielplätzen, in Einkaufszentren, Freizeit- und Vergnügungsparks, bei Veranstaltungen und in Aufzügen
Die Gemeinden können weitere Vorschriften zur Hundehaltung erlassen.
Wien
Listenhunde müssen nach dem Wiener Tierhaltegesetz an öffentlichen Orten einen Maulkorb tragen und an der Leine geführt werden. Das gilt nicht für rundherum eingezäunte Hundewiesen. Ist die Wiese nicht eingezäunt, besteht Maulkorbpflicht.
Alle Hunde müssen gekennzeichnet und in der Heimtierdatenbank registriert werden
Die Absolvierung eines Kurses für einen Sachkundennachweis ist erforderlich, wenn ein man einen Hund anmelden möchte und in den zwei Jahren zuvor keinen Hund gehalten hat
Für die Haltung von Listenhunden bzw. Kampfhunden gilt eine Hundeführerscheinpflicht ? genaueres dazu im nächsten Abschnitt
Hundeführerschein in Wien
In Wien kann jeder Hundebesitzer einen freiwilligen Hundeführerschein absolvieren. Wenn Sie in Wien einen Listenhund kaufen, müssen Sie spätestens nach 3 Monaten der Haltung verpflichtend die Hundeführerscheinprüfung nach der Wiener Hundeführerscheinverordnung absolvieren. Dies gilt aber nur dann, wenn der Hund bereits sechs Monate alt ist. Solange die Prüfung noch nicht abgelegt ist, dürfen Sie mit dem Hund nicht ohne Maulkorb an öffentliche Orte gehen.
Wenn Sie jünger als 16 Jahre sind oder wegen bestimmter Straftaten rechtskräftig verurteilt wurden, darf die Prüfung nicht abgelegt werden. Die Haltung (bzw. der Aufenthalt an öffentlichen Orten) von Kampfhunden ist daher für diese Personen in Wien nicht möglich.
Wenn Sie mit dem Hund in der Öffentlichkeit unterwegs sind, müssen Sie immer den Hundeführerschein, die Zusatzkarte und einen Lichtbildausweis mit sich führen. Zudem müssen die Hunde elektronisch gekennzeichnet und in der Heimtierdatenbank registriert sein. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Hund gechipt ist und die Hundeabgabe entrichtet wurde.
Anmeldung, Behörde und Kosten
Zuständige Behörde für den Hundeführerschein ist die MA 60 (Veterinärdienste und Tierschutz). Im Zuge der Anmeldung benötigen Sie einen Lichtbildausweis, Strafregisterauszug, die Chipnummer des Hundes, einen Nachweis über die Entrichtung der Hundeabgabe sowie den Nachweis einer Haftpflichtversicherung für Hunde (Deckungssumme mindestens EUR 725.000). Die Kosten für die Anmeldung betragen EUR 20,84 + Verwaltungskosten von EUR 40 + Fahrtspesen für die Prüfer. Die Registrierung in der Heimtierdatenbank kostet nochmal EUR 20,84. Unter dem folgenden Link können Sie sich für den Wiener Hundeführerschein online anmelden.
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